Eine Abhandlung über Amerika

Dieser Blog ist all meinen deutschsprachigen Lesern gewidmet, die verstehen wollen worum es sich in den USA handelt, was die momentanen politischen und wirtschaftlichen Umstände betreffen, was die Nation zurückhält, und was gegen die Probleme getan werden kann. Gewisse Umstände sind garantiert nicht nur begrenzt auf Amerikaner, sondern können als allgemeine Herausforderungen für die Menschheit wahrgenommen werden.

 

 

EINE ABHANDLUNG ÜBER MICH UND AMERIKA, 5/30/2010

 

Hallo mein Name ist Larry Liu, und ich werde diese einmalige Möglichkeit nun damit aufbringen meine Situation hier in den Vereinigten Staaten zu erklären. Ich bin geboren in Wien, Österreich am 1.12.1991, und habe dort meine gesamte Kindheit verbracht. Ich bin in die USA am 21.12.2008 gekommen und war bisher nur einmal wieder zurück in Österreich. Das war vom 11.7.2009 bis 29.8.2009. Ich habe zu Beginn bei meiner Tante in Philadelphia gelebt, weil meine Eltern und mein Bruder wieder zurück nach Österreich gekehrt sind. Meine Mutter und meine Tante haben mich davon überzeugt mich an der Schule in Philadelphia anzumelden, was ich auch getan habe. Ich war im Zwielicht und war mir alles andere als sicher, ob hier in Amerika zu bleiben letzlich die richtige Entscheidung war. Aber man musste seine Wahl treffen, und ich habe mir überlegt, dass mir hier eigentlich nichts passieren könne, so lange ich hart arbeitete. Dieser Amerikanische Traum kann aber nicht von allen Leuten verwirklicht werden. Aber egal wie sehr die Menschen die USA auch kritisieren, sie werden nicht leugnen können, dass hier immer noch eine Millionen Menschen jährlich einwandern. Ich habe bisher noch keine Anzeichen gesehen, dass sich dieser Trend ändern wird. Mit solch einer Motivation sind meine Eltern hierhergekommen.

 

Im Moment versuche ich die High School hier abzuschließen, welches alles andere als schwierig war. All jene Leute, die sich wundern wie das Schulsystem in den USA ist, denen muss ich die Antwort geben, dass es fürchterlich für sehr viele Schüler aussieht. Es gibt so einen wahnsinnig gewaltigen Unterschied zwischen den reichen und armen Menschen, aber es wird nur gelegentlich als großes Problem aufgefasst, aber von der Mehrheit der Bevölkerung ignoriert. Wer es in die Mittelschicht geschafft hat, wird sehr hart darum arbeiten diese Position zu verteidigen, auch wenn es manchmal so hart ist, dass man gnadenlos scheitern kann. Es gibt so viele Herausforderungen in diesem Land, die die Regierung nur zum Teil und halbherzig in Angriff nimmt, weil sie von den privaten Interessen der Großkonzerne gelenkt wird. Für 150 Millionen $ in Lobbying Spenden für die Kongressabgeordneten gibt es eine Reihe von Steuererleichterungen im IRS Steuergesetz im Ausmaß von bis zu 55 Milliarden $. Zahlen tut am Ende der kleine Steuerzahler. Der vielgepriesene Individualismus wurde insbesondere in den vorangegegangenen 30 Jahren als kompletter Rückzug der Regierung angepriesen, was die Deregulierung der Industrien bedeutet hat, welches den Bankenkollaps und die Wirtschaftskrise antizipiert hat. Die rücksichtslose Deregulierungspolitik hat auch bedeutet, dass der kleine Arbeiter eine unwichtige Rolle spielt, sodass der Arbeitsabbau in Richtung Niedriglohnländer vorangetrieben werden konnte. Die Verlierer sind die Arbeiter und Angestellten, die sehr stark in den Gewerkschaften organisiert waren. Die Gewinner sind die Manager und Konzernvorgestellten, die sich jeglicher öffentlicher Kontrolle entzogen haben. In der Zwischenzeit wird der Konsumermarkt mit Konsumartikeln vollgeschwemmt, um die Durchschnittsbürger abzulenken und in komplette Abhängigkeit zu kriegen.

 

Dieses Wissen hat sich in mir angesammelt vor allem durch das Lesen von Büchern und Zeitschriften und es hat mir auch sehr viel Opposition verschafft. Ich sehe sehr viele Leute, die selber nicht reich sind und kaum behaupten können vom Kapitalismus richtig profitiert zu haben, aber dennoch mich als Agitator hinstellen. Ich werde manchmal als Sozialist denunziert, der doch nicht die Interessen Amerikas repräsentieren könne.

 

Andererseits bekomme ich auch sehr viel Zustimmung von anderen Leuten, meistens Erwachsene, die politischen Ideen mehr offen gegenüberstehen. Das ist eines der Gründe warum ich so gut mit älteren Menschen umgehen kann. Was mir das beibringt ist die schiere Ignoranz, die in der Gesellschaft vorherrscht und die jegliche sozialen Erfolge zum verurteilen lässt. Damit möchte ich nicht die pessimistische Brille aufsetzen, um weitere Möglichkeiten zum Erfolg komplett auszuschließen, ich versuche hiermit nur zu schildern mit welchen Problemen dieses Land noch zu kämpfen hat. “Wir sind hier alle zusammen.” Das hatte Präsident Barack Obama immer und immer wieder gesagt. Diese Aussage gibt ihm im Grunde das Mandat aggressiv auf die Wirtschaftskrise zu reagieren und die Beziehung zwischen der Regierung und den Bürgern auf eine neue Grundlage zu stellen. Präsident Franklin D. Roosevelt sagte,”Wir müssen nichts anderes fürchten als die Furcht selbst.”

 

Es gibt im Grunde vier verschiedene Möglichkeiten um den normalen Bürger von den wahren Problemen des Landes abzulenken. Was die Probleme nun sind kann der aufmerksame Leser bereits erahnen, aber ich werde dies noch in Detail ausführen. Zunächst einmal kann der Durchschnittsbürger davon abgebracht werden überhaupt an die Probleme zu denken. Das Problem wird schlicht und ergreifend geleugnet. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die lahme Berichterstattung der US-Medien in Bezug zu der Ölseuche, die im Ausland viel heftiger dramatisiert wird (es wird wohl einen Grund haben, dass die Berichterstattung über das Ausland viel offener vonstatten geht, aber es darf wohl nicht der einzige Grund sein). Während also die größte Umweltkatastrophe in Jahrzehnten lanciert wird, berichten die Medien hier über BP’s vergeblichen Anstrengungen die Seuche einzudämmen. Als ob der Verursacher das so einfach tun könnte. Die Regierung war sichtlich erschüttert, aber sehr untätig im Eindämmen. Nun gibt Präsident Obama sogar zu viel zu sehr sich auf den Ölkonzern verlassen zu haben. Gibt es Aufregung bei den Leuten? Ich würde sagen es kommt ganz darauf an über wen wir hier reden. Von den meisten Menschen können wir uns wenig Entrüstung erwarten, weil sie an die nächste Party denken, oder sich entscheiden zwischen Fernsehen und Kino, oder einfach nur hart arbeiten von morgens bis abends in der Hoffnung die Rechnungen bezahlen zu können. Außerdem scheint es eine riesige Unterscheidung zwischen Interessierten und Nicht-Interessierten zu geben, oder Gebildete und Ungebildete. Es wird das Bild propagiert, dass man intelligent sein müsste um ein Buch aufzuheben und einfach einmal zu lesen. Dieses intensive Lesen hat mir sehr dabei geholfen Gedankengänge so klar wie möglich auszudrücken, und politische Geschehnisse aufmerksam mitzuverfolgen. Das Ironische an der Politik ist, dass es zwar wenigen Leuten scheinbar interessiert, dass damit aber wichtige Entscheidungen die unser aller Leben betreffen getroffen werden. Vor allem der arme Amerikaner müsste ein Rieseninteresse haben seine Wünsche klar zu artikulieren. Und die Mittelschicht steht auf der Seitenlinie und schaut dem Spektakel zu. Sie wird sich aber meistens über die Sozialhilfeempfänger aufregen, anstatt echte Umweltinitiative zu ergreifen.

 

Zweitens, wird der Durchschnittsbürger viel zu abgelenkt sein, um wahrhaft Kontrolle über sein Leben zu ergreifen. Das kann sehr viele Bedeutungen haben. Wie ich angedeutet habe verschlimmert sich der Lebensstandard der Bürger durch die zunehmend ungerechtere Verteilung des Wohlstands. So lange wir leidende Bürger in diesem Land sehen (womit die Mehrheit der Bürger gemeint ist) wird es für uns Sinn machen unser bisschen Freizeit damit aufzubringen um wahrhaftige Veränderung der Lebensbedingungen herbeizuschaffen. Martin Luther King hat gesagt, “Veränderung kommt nicht durch die freiwillige Handlung der Unterdrücker, sondern wird immer von den Unterdrückten verlangt.” Was solch eine Situation unweigerlich zustande bringt ist, dass jene, die sich ohnehin schon vom politischen Prozess ausgeschlossen fühlen, noch weniger Anreize haben überhaupt noch sich die Nachrichten anzusehen. Zu viel Stress bedeutet weniger Zeit für alles andere. Viele Menschen arbeiten nicht nur einen Vollzeitberuf, sondern müssen sich auch noch um die Kinder kümmern. Da bleibt also erstaunlich wenig an Freizeit übrig, welches sich Politik nennt, und jene Vollzeitpolitiker verschwenden auch lieber ihre Zeit, um mehr Wahlkampfspenden zu sammeln anstatt für die Bürger im Land zu kämpfen. Eine andere viel perfidere Methode der Ablenkung ist ein integraler Bestandteil der Konsumkultur, in der der Bürger ununterbrochen unterhalten wird. Die bekannteste Methode ist die des Fernsehens. Man kann hier ganz klar erkennen, dass die meisten Menschen viel zu viel Fernsehen. Und hierbei ist nicht nur der politische Inhalt gemeint, sondern auch jede andere Form von Entertainment, wie die neueste American Idol oder die neueste Dancing With The Stars Staffel. Als ich noch ein junger Jugendlicher war und das Programmformat “Deutschland Sucht Den Superstar” und “Starmania” gerade eben herausgekommen war, habe ich es auch noch sehr interessiert mitverfolgt. Damals war mir der Gedanke der politischen Verantwortung überhaupt noch nicht bewusst, und niemand hat mich dahin gehend versucht zu überzeugen wie wichtig politisches Engagement ist. Ich habe mich also von den wahren Problemen ablenken lassen. Aber sogar ich bringe Verständnis für das Kindliche Mich auf, weil ich noch weniger an wichtige Dinge gedacht habe. Das Problem stellt sich also heraus, wenn selbst der erwachsene Selbst sich immer noch von einer Ablenkung in die nächste entschuldigt und nicht die Verantwortung übernimmt sich in Richtung Erwachsensein zu begeben. Ich habe volles Verständnis für all jenige Leute, die nichts von politischer Betätigung halten und immer noch ein anständiges Leben führen. In keinster Weise muss jeder Mensch ein Budgetexperte sein um ein sinnvolles Leben zu verbringen. Aber es muss einen minimalen Grundkonsens geben, der den Akt der buchstäblichen politischen Legitimation übersteigt, dem Wählen von öffentlichen Repräsentanten. Die Eliten haben aber ein gewisses Interesse die Menschen in ihrer Handlung zu beirren. Gib dem normalen Mann seinen Sport, damit er was zu reden hat mit seinen Freunden. Und die Amerikaner wissen viel mehr über gewisse Sportler als über sich selbst. In der Zwischenzeit kann die volle Kälte des Kapitalismus den Durchschnittsbürger ausnehmen.

 

Drittens, wenn die Leugnung der Probleme und die Ablenkung der Menschen scheitert gibt es immer noch eine dritte Barriere, die es zu überwinden gilt, um die eingefleischten Interessen zu bekämpfen: die Dämonisierung von Feinden. Feinde gibt es überall und man kann sie aus dem nichts heraus herbeizaubern. Wenn man ein paar Leute damit überzeugen kann, verbreitet es sich wie Lauffeuer und ist beinahe unmöglich aufzuhalten. Was ist ein besseres Beispiel als die Mode? Während es in the frühen 1990er Jahren noch kurze Sportlerhosen für die meisten Sportler gab, änderte sich dies mit der Hip Hop Kultur, die sehr weite und lange Shorts popularisierte. Seitdem tragen die meisten Burschen lange Shorts und verarschen all jene als homosexuell, die sich diesem Trend widersetzen. Aber solch eine Dämonisierung ist banal und trivial und vielleicht sollten wir ernsthaftere Vergleiche anstellen. Der reiche Mann wird alles in seiner Macht versuchen irgendwelche Feindbilder aufzustellen, die die Mehrheitsbevölkerung mit Sehnsucht hassen muss. Wenn sich das verrückt anhört, sollte ich besser ein Beispiel geben. Seit den 1960er Jahren haben sich die konservativen Eliten dem Kampf gegen jegliche kulturelle und soziale Innovation verschworen. Das bedeutet, dass wir seit den 1960er Jahren solche idiotischen Kulturkriege zelebrieren, in dem immer die gleichen ideologischen Argumente von beiden Seiten hervorgebracht werden, ohne dass eine Seite einen Kompromiss eingehen müsste, weil jene Konditionen eine sine qua non sind. Ein Beispiel ist Abtreibung. Was in vielen europäischen Staaten bereits gesetzlich geregelt ist und nicht mehr wirklich infrage gestellt wird (mit Ausnahme der katholischen Kirche, aber wie wir sehen hat die ihre alte Reputation und Anerkennung verloren), ist in den USA angeblich immer noch ein heißes Thema. Es wird gelegentlich von einem Mord an Abtreibungsärzten geredet, die laut Abtreibungsgegnern die Todsünde begehen ungeborenes Leben zu vernichten. Unabhängig von der Position, die eine Person hat in Bezug zu Abtreibung ist es eine unheimliche Zeitverschwendung sich mit solch einer Angelegenheit auseinanderzusetzen nicht weil mir das ungeborene Leben unwichtig ist, sondern weil wir viele andere politischen Angelegenheiten, wie Mindestrenten oder Mindestlohn ausdiskutieren müssen, aber so einfach läuft es nicht in den USA. Mit der selben Rechtfertigung kann man das Thema Homosexuellen-Ehe oder Schulgebete angehen, die mehr symbolische Bedeutung als wirkliche Themen darstellen. Damit ist nicht gemeint, dass Homosexuelle und Gläubige keine Rechte haben- ich spreche mich sogar für ihre Rechte aus- aber für die allgemeine politische Debatte hat es nur marginalen Charakter. Ich würde es einfach akzeptieren und mich anderen Dingen zuwenden. Aber das ist der Kulturkrieg, in dem sich Amerika befindet. Wie ich bereits angedeutet habe, erlebe ich persönliche Anfeindungen, wenn ich mit manch jungen Leuten mich über Politik unterhalte. Sie denken, dass ich irgendein Sozialist bin, der diffuse Ideen verfolge und das alleine reicht schon aus um mich komplett unhörbar zu machen. Wer in den USA als Sozialist gebrandmarkt wird, hat beinahe keine Chance jemals gehört zu werden. Es gibt nicht einmal eine rationale Argumentation um diese Behauptung stehen zu lassen, aber es ist immer der Kritiker, der in der einfachen Rolle ist etwas zu attackieren. Also werde ich zu solch einem Angriff Stellung nehmen. Die Menschen sagen, dass ein Sozialist eine große Regierung befürwortet, in dem der individuelle Mensch und Unternehmer keinen Freiraum mehr hat um sich um sich selbst zu kümmern. Es wäre doch viel besser, wenn wir die Märkte stärken würden, um die Menschen durch allgemeinen Wohlstand davon profitieren zu lassen. Diese Argumentation hat ein paar schwerwiegende Schwachpunkte. Zunächst einmal lässt sich nicht sagen, on langfristig ein Wirtschaftswachstum sich herstellt, der sich selbst nährt. Nach der Great Depression hat sich kein Privatunternehmer getraut sein Geld zur Verfügung zu stellen, um in die Wirtschaft zu investieren, weil sich ein unregulierter Markt selbst vernichtet hat. Und wo der Markt nur mehr Schutt und Asche ist da möchte nicht einmal ich mein Geld hineinlegen. Die Einzige, die wirklich etwas dagegen tun kann, ist die Regierung, die gewaltige Risiken aufnehmen kann, weil die Regierung immer das langfristige Wohl der Bevölkerung im Auge zu behalten hat. In dem Sinne operieren die Regierungsbürokraten mit dem Geld der Bevölkerung, und nicht mit ihrem eigenen Kapital. Das ist nicht unbedingt schlecht, solange die Regierenden sich permanenter demokratischer Kontrolle unterziehen und daher volles Interesse haben Steuergeld verantwortungsvoll aufzuwenden. Obwohl nicht alle Programme unter Franklin D. Roosevelt wie gewünscht funktioniert haben, kann nicht geleugnet werden, dass im Allgemeinen der New Deal eine wirksame Methode war um mit der Wirtschaftskrise umzugehen. Zweitens kann mir kein Befürworter des Kapitalismus garantieren, dass sich der allgemeine Wohlstand verbessern wird unter ihrer unregulierten Marktwirtschaft. Es kann im Gegenteil sogar gesagt werden, dass ein unregulierter Markt nicht nur eine Wirtschaftskrise heraufbeschwört, sondern auch extrem unfair ist. Wann immer Milton Friedman oder Friedrich Hayek von der Freiheit der Menschen von der Regierung reden, implizieren sie auch, dass der Mensch allgemein frei ist von jeglicher Institution, und in der ideologischen Reinform wird es keine Überraschung sein, dass dieses Konzept sehr viele Menschen anzieht. Aber wir leben nicht in einem ideologischen Käfig, sondern in der realen Welt in der alle Konsequenzen vorsichtig überdacht werden müssen. Wenn also die Freiheit des Menschens von der Regierung gepriesen wird, heißt das auch, dass wir uns in Abhängigkeit von Unternehmen begeben, denn irgendwo muss es eine Hierarchie geben, in der effektive politische Entscheidungen getroffen werden müssen. Während jede Regierung zumindest den Anschein demokratischer Kontrolle haben muss um Legitimation aufzubauen, muss ein Großkonzern nur den Aktionären verantwortlich sein. Wenn die Aktionäre also verlangen die operativen Kosten zu senken (sprich Angestellte feuern), und es daher bedingt eine Fabrik in den USA zu schließen, um eine Fabrik in einem Niedriglohnland aufzubauen, dann wird der Konzern dem zustimmen, weil sie kein Investorenvertrauen verlieren wollen. Wenn die nun arbeitslosen Amerikaner nun sich beklagen ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen zu können, oder wenn sie sich als persönliche Verlierer betrachten, oder wenn sie sehen, dass die US-Gesamtwirtschaft nun geschadet ist, dann wird es den Konzernvorständen herzlich egal sein, denn sie haben normalerweise kaum Kontakte mit den Durchschnittsbürgern, also den Durchschnittsangestellten. Außerdem haben die Angestellten kaum eine Möglichkeit dagegen anzukämpfen und diesesmal nicht einmal lokale Gewerkschaften werden ihnen in ihrer Not aushelfen, weil die Gewerkschaftsmitglieder nun so lange streiken können wie sie wollen, weil die Heimfabrik nun redundant ist. Es kann mir also niemand hier einreden, dass der Sozialismus in der amerikanischen Definition so negativ ist, solange die Regierung dem Bürger verantwortlich ist. Angesichts der gewaltigen Benachteiligung des Durchschnittsbürgers und Angestellten hat es überhaupt keinen Sinn die falschen Feinde an die Wand zu malen, aber es hat alles seinen Grund.

 

Nun komme ich zum vierten und letzten Punkt meiner Erörterung in Sachen was hält uns fern vom Erreichen von wichtigen gemeinsamen politischen Zielen. Es kommt von der römischen Kriegsstrategie, klingt so einfach und ist tatsächlich sehr effektiv. Es ist dies, welches ich als letztes liste, weil es am wichtigsten ist. Divide et impera. Teile und herrsche. Um dies zu illustrieren werde ich zwei Kampfszenen nennen. Man stelle sich vor man hätte eine große Armee und wollte seinen Nachbarn angreifen. In einem Szenario kämpft man gegen ein vereintes Land, das entweder Religion, Rasse, Nationalität, Ideologie oder irgend eine andere vereinigende Kraft hernimmt, um jeglichem Gegner zu strotzen. In einem anderen Szenario kämpft man gegen ein Land, das in sich selbst geteilt und zerstritten ist. Wer ist einfacher zu besiegen? Divide et impera ist auch eine Anwendung von meinem dritten Argument, das Dämonisieren, aber es ist etwas komplexer. Das Dämonisieren von gewissen Feinden ist ein Aspekt der Teile und Herrsche Strategie, aber man kann die Leute auch durch Ignoranz, Leugnung und Ablenkung trennen. Das ist also die Zusammenfassung aller Argumente. Ich möchte nun illustrieren, dass Rasse gegen Klasse ausgespielt wurde, um den reichen Mann reich zu belassen und den armen Mann in seiner Not leiden zu lassen. Sklaverei ist die Geschichte der Vereinigten Staaten, nicht gerade eine stolze Ära, aber dennoch signifikant. In den Südstaaten hat es immer sehr viel mehr Schwarze gegeben als im Rest des Landes, weil sie dort auf den Baumwollfeldern benutzt wurden. Während der schwarze Sklave sofort wusste wo er war innerhalb der Gesellschaft im Süden, war der weiße Farmer zweigeteilt. Es gab die armen Farmer, die niemals einen gutbezahlten Job haben würden. Trotz der Nachteile der Industriellen Revolution, hat es doch den Vorteil gegeben, dass allgemeiner wirtschaftlicher Wachstum auch den Arbeitern zugute kommen konnte. Im Süden gab es überhaupt keine Anreize auf andere technologische Entwicklungen hinzuschielen. The king is cotton. Und derjenige, der die Baumwolle kontrollierte, machte auch das meiste Geld und hatte die meisten Sklaven. Das segregierte System beruhend auf Klasse nicht Rasse war also das vorherrschende Modell. Aber der arme weiße Mann konnte immer davon überzeugt werden, dass er unabhängig von seiner eigenen Armut dem schwarzen Mann immer überlegen sein würde. Es ist ein schierer Tribut zum Rassismus in Amerika, dass der weiße Mann den schwarzen Mann so sehr hasste, dass er alle unterschwelligen Klassenstrukturen ausblenden konnte. Es war einfach unmöglich für ungebildete Menschen nicht die Farbenunterschiede zu erkennen. Eine wichtige Innovation in dieser Entwicklung in den Südstaaten der USA kam aber nach der Abschaffung der Sklaverei. Diese Abschaffung bedeutete nicht die bedingungslose Abhängigkeit für den Schwarzen, denn die südlichen weißen Demokraten “erlösten” den Süden durch die black codes (Gesetze, die die Freiheit der Schwarzen einschränkte) und sharecropping (landwirtschaftliche Betätigung, in dem der abhängige Farmer die Ernte seiner Arbeit an den Landbesitzer abgibt im Gegenzug für Nahrung und Unterkunft, so ähnlich wie das feudale Lehenssystem). Nun da etwa über 30 Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei der Schwarze seine bürgerlichen Rechte verlangte und der weiße Farmer schön langsam unruhig wurde, musste der reiche, weiße Mann, der immer noch einem zurückgebildeten Gebiet in den USA vorstand, eine Möglichkeit finden um die komplette Kontrolle über die Gesellschaft im Süden zu behalten. Segregation, die legale Rassentrennung, wurde eingeführt. Die Idee war, dass selbst wenn der arme, weiße Arbeiter ein Sklavenlohn erhielt, konnte er immer noch strotzen, dass er weiß war. Es war ein lächerliches System und es bedingte Sklaven um solch eine permanente Lüge aufrechtzuerhalten. Rassismus ist ein Argument um die Klassenstrukturen zu bewahren. Nun werde ich ein Beispiel für Klassismus and Rassimus nennen, in dem die Vorurteile des weißen Mannes ausgenützt wurden. Wenn die Industrien im Norden der USA an Bedeutung gewannen, wurden dem Arbeiter gewaltige Ungerechtigkeiten angetan, in dem ihm ein niedriger Lohn und unangemessene, unhygienische und gefährliche Arbeitsbedingungen aufgesetzt wurden. Die weißen Arbeiter lernten schnell sich zu organisieren und konnten mehr und mehr Arbeiter von der Idee der Gewerkschaft überzeugen. Aber das Problem war, dass sie anfangs zu rassistisch waren um Schwarze in ihre Gewerkschaft zu integrieren. Was das bedeutete war klar: wenn die weißen Arbeiter unzufrieden waren, legten sie ihre Arbeit nieder, und die Unternehmensbosse heuerten schwarze Arbeiter an. Die weißen Arbeiter waren nun entwaffnet, weil das stärkste Mittel für die Gewerkschaften war der Streik. Wenn der Streik als Ventil der Arbeiterunzufriedenheit verschwand, war es zu Ende mit den Streikenden. Matewan, West Virginia, in dem Minenarbeiter sich gewerkschaftlich organisierten, scheint ein gutes Beispiel dafür zu sein. Obwohl es schwierig war Schwarze und Immigranten zu organisieren, schafften sie es aber letztlich doch und die Minenbesitzer waren fassungslos. Es kann also klar gesagt werden, dass die Teile und Herrsche Strategie eine in der Tat effektive Strategie ist und es ist nicht erstaunlich, dass sie immer noch häufig verwendet wird.

 

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute immer wieder versucht haben mich persönlich zu attackieren, als ob es sich um mich drehen würde. Ich beneide keine Politiker, die sich immer von gewissen Leuten anhören müssen, wie deppert sie sind. Es ist eine perfide Strategie, die jeglichen Erfolg auf das Organisieren zertrümmert. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und es ist Teil eines guten leaders (‘Führer’ hat eine negative Konnotation im Deutschen) Probleme furchtlos anzugehen, egal wie viele Hindernisse im Weg stehen. Wenn Malcolm X für seine politischen Überzeugungen als Radikaler abgestempelt wurde, der angeblich Hass und Vernichtung des weißen Mannes predigte, reagierte er immer gelassen aber ernst zugleich und sagte, dass die Denunziation als Radikaler den Effekt hatte den schwarzen Mann zu spalten um die Erfolge der Schwarzen im Land aufzuhalten. Obwohl er gewisse unkonformistische Ideen aufgebracht hatte, war er fernab von einem Radikalen. Als Malcolm X gefragt wurde, was er von der Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King hielt, antwortete er, dass alle Bestreben zugunsten des schwarzen Mannes zu befürworten sei, ganz konträr zum Vorurteil, das ich über ihn hatte, weil ich den traditionellen Geschichtsbüchern geglaubt hatte. Ich dachte er sei gegen die Ablehnung von Gewalt als Strategie und dass er Hass gegen Hass predigte. Was Malcolm X bloß getan hatte, war die offene Kritik an das US-Rassensystem. Solch eine Kritik muss offen ausgesprochen werden bevor eine richtige Behandlung dieses Problems ausgeschrieben werden kann. Kein Krebs in unserem Körper kann geheilt werden, in dem wir einfach nur mit Leugnung leben. Aber solch eine Strategie wurde von den herrschenden Machthabern verwendet, um sicherzustellen, dass der Effekt von Malcolm X so niedrig wie möglich ist. Wenn die Geschichte der Kulturen nur etwas anders abgelaufen wäre, wenn es die Afrikaner gewesen wären, die nach Europa gesegelt sind, um die Weißen als Sklaven in die entdeckten Amerikas zu verschleppen, wenn es die Weißen ebensolange wie die Schwarzen in der realen Geschichte gedauert hätte um sich freizukriegen, wenn ihnen die Rechte für dieselbe Zeitdauer geraubt würde, wenn sie in diesem System so viel Hass für jeden Tropfen weißen Blut, und so viel Ehre für jeden Tropfen an schwarzen Blut empfinden würden, wenn ihnen der schwarze Mann die Rechte durch Zurufe untersagen würde; dann hätte ich keinen Zweifel, dass es einen weißen Malcolm X gegeben hätte.

 

Ich habe bereits zuvor angekündigt, dass es auch gewisse politische Probleme gibt, die die Antwort der herrschenden politischen Klasse und der Bevölkerung verlangt. An der Vorfront darf es nicht verwunderlich sein zu erwähnen, dass das politische System von gewaltiger Korruption unterminiert wird. Wenn ein besorgter US-Staatsbürger für ein politisches Amt kandidieren möchte, hat er zwar vielleicht zu Beginn sehr ehrenvolle Absichten, aber er wird schon bald an die Grenzen der politischen Realität stoßen, in die kein Politiker erfolgreich sein kann, der nicht eine Menge Wahkampfgeld auftreiben kann. Weil die öffentliche Wahlkampffinanzierung fast inexistent ist (die öffentliche Meinung, interessanterweise, ist von der Korruption der Regierung so verdrossen, dass sie nicht einmal eine vernünftige Verwendung des Steuergeldes befürworten können), gibt es nur zwei Möglichkeiten solch Geld zu erhalten. Erstens muss man steinreich sein, um sich seine eigene Kampagne finanzieren zu können. Zweitens muss man fähig sein reiche Spender aufzutreiben. Beides hat seine Nachteile wenn es darum geht die wahrhaftigen Interessen der Bürger zu vertreten. Für den zweiten Punkt scheint es offensichtlich zu sein, dass die reichen Spender natürlich ihre Steuerbegünstigungen haben wollen. Ich bin kein Hellseher, wenn ich hiermit sage, dass BP im Moment wahnsinnig viel Geld an die Bundespolitiker in Washington verteilt, um die Bestrafung für die ölseuche so niedrig wie möglich zu halten. Auch der erste Grunde vermag nicht viel zu versprechen. Wenn es persönlichen Reichtum verlangt, um sich für einen politischen Posten zu bewerben, dann muss man die kapitalistischen Interessen der individuellen Profitmaximierung in solch einer Weise internalisiert haben, dass es unmöglich ist für einen reichen Mann sich für eine Umverteilung des Wohlstandes auszusprechen (Warren Buffett als Ausnahme). In solch einer Weise hat Ross Perot sich um die Präsidentschaft der USA beworben. Er war ein reicher Mann, der bloß vage versprochen hat das Vertrauen zwischen der Regierung und den Bürgern wiederherzustellen, was nichts anderes als eine “kleine Regierung” bedeutete. Es war ja klar, dass die Regierung nur die privaten Besitzrechte, aber nicht das öffentliche Recht auf Chancen, verteidigen sollte. Man kann also sagen, dass die Wahlkampffinanzierung eine ganz besonders wichtige Reform für jede Regierung darstellen sollte.

 

Zweitens dürfte es keine Zweifel daran geben, dass das US-Bankensystem reformiert werden muss. An aller erster Stelle steht die strikte Regulierung der Banken, die durch unlimitierte Handlungen die Häusergeschäfte unterminiert hatten. Hierbei wurden insbesondere arme und schwarze Menschen auf das Kreuz gelegt. Das Argument geht herum, dass es die Regierung war, die solch eine Haus-für-alle-Amerikaner Politik befürwortet hat. Aber es war die komplette Deregulierung der Banken, die diese gewaltige Wirtschaftskrise herbeigeschaffen hat. In gleicher Weise haben die Banken die gewöhnlichen Bürger ausgeraubt. Die Banken haben den armen Menschen ein Haus versprochen, in dem ihnen Zero Downpayment angeboten wurde. Gleichzeitig wurde ihnen ein hoher Zinssatz unter die Schuhe geschoben, welches anfangs noch kein Kopfweh bereitet hat, weil die Hauspreise unrealistischerweise in die Höhe geschossen sind (verursacht durch diese künstlich herbeigeschaffene Nachfrage). Dieses Kopfweh ist erst später entstanden als die Hauspreise allmählich niedriger wurden, weil es nicht genug glaubwürdige Käufer gegeben hat. Nun wurden selbst die Versicherer, die die faulen Kredite versichert hatten, in das Unglück getrieben, weil sie niemals soviel Geld auftreiben konnten, um den Dreck wegzukehren. Die Banken stoppen auf einmal sich gegenseitig zu vertrauen und borgen sich keine Kredite mehr. Das wirkt sich auch auf Unternehmer aus, die ebenfalls viel ungünstigere Zinssätze erhalten oder überhaupt keine Kredite mehr erlangen. Die Gesamtwirtschaft sackte ab. Wir alle leiden und die Banken benötigen ein Bailout. Ohne ein Bailout wäre die Gesamtwirtschaft in der Tat im Eimer, weil die Banken das Geld im Umlauf halten. Die Regierung wird also viel Geld in die Banken investieren und dadurch ist weniger Geld für andere wichtige Projekte da. Als eine vernünftige Lösung hat die Regierung Geld für Arbeitslose gegeben, um die Kaufkraft aufrecht zu erhalten. Außerdem hat die Regierung das Konjunkturpaket verabschiedet, das notwendiges Geld in die Infrastruktur, Bildung und Forschung investiert. Aber es bleibt ein begrenzter Versuch die Wirtschaft wieder zu beleben. Die traurige Realität ist, dass die lokalen und bundesstaatlichen Regierungen durch die Wirtschaftskrise an akuter Geldnot leiden. Weil sie sich keine Schulden wie die Bundesregierung leisten können und weil Steuererhöungen immens unbeliebt sind, sehen sich die lokalen Regierungen gezwungen wichtige Ausgaben zu senken. Weil wichtige Dienstleistungen nicht gekürzt werden können bedeutet das in erster Linie, dass Staatsbeamte ihre Arbeit aufgeben müssen. Das geschieht jenen Amerikanern recht, die sich immer schon gegen eine massive Ausbreitung der Regierung beschwert haben. Nun wird das “Monster ausgehungert”. (“Tax-Cut Con” von Paul Krugman, New York Times) Tausende von Mittelschichtjobs wie öffentliche Lehrer, Bibliothekare und Berater werden gekündigt, was der Zerstörung der Mittelschicht gleichkommt. (“Election Year Kills Teacher Rescue” von David Goldstein, Philadelphia Inquirer, 31.5.2010) Eine Radikalisierung der Gesellschaft ist damit zu erwarten, weil Amerika Millionen von niedrigbezahlten Jobs schafft, währenddessen die wichtigen gesellschaftlichen Mittelschichtpositionen einfach eliminiert werden. Das kommt auch der Unterminierung der Arbeitergewerkschaften nahe, die sehr stark unter Lehrern vertreten sind. Eine strikte Regulierung der Banken kann hierbei einen sehr positiven Ansatz liefern, um eine weitere Wirtschaftskrise zu verhindern oder ihren Effekt weitestgehend zu minimieren.

 

Drittens müssen fundamentale Reformen durchgeführt werden, die die Wirtschaft nicht nur wiederbeleben, sondern den Menschen bessere Lebenschanchen abliefern können. Die größte Verschlechterung der Lebensverhältnisse der arbeitenden Amerikaner geschah in den letzten 30 Jahren, als die Firmen und Konzerne wie wild Jobs in Niedriglohnländer exportiert haben. Es war offensichtlich, dass dadurch die Firmen ihre Einnahmen maximieren konnten, weil die Personalkosten reduziert wurden. Es liegt hierbei extrem nahe, dass die massiven Verbesserungen der Aktienwerte der Großkonzerne nicht von gewaltiger Produktivitätssteigerung, sondern von der Reduzierung der Personalkosten herkommt. Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte. Die Arbeiter von der Telekommunikationsbranche oder der Industriebranche verlieren ihre Jobs und arbeiten für einen niedrigen Lohn in einem Mindestlohnjob, der auch ziemlich lange braucht um anzuwachsen. Die Mittelschicht ist dadurch wahrhaftig in Gefahr. Hierbei muss allerdings bemerkt werden, dass das Outsourcing nicht so schlecht sein muss und den Menschen nicht immer schaden muss, solange diese Jobs durch andere gutbezahlte Jobs ersetzt werden können. Die Regierung muss daher eine aktive Arbeitsmarktpolitik vorantreiben, die den Menschen einen angenehmen Arbeitsplatz schaffen und die Wirtschaft wieder auf eine langfristig erhaltbare Basis bringt. Ich befürworte eine aktive Energiepolitik, in der die Regierung in alternative Energie wie Wind, Solar und Wasserkraft investiert. Das hat nicht nur den Effekt vom Schaffen von neuen Arbeitsplätzen, sondern kann auch die Unabhängigkeit vom Öl vorantreiben. Zu einer Zeit wo die Ölkonzerne wie BP rücksichtlose Milliarden Dollar an Öleinnahmen kreieren, weil Öl in so riesigem Bedarf ist, und wo eine riesige Ölseuche die Lebensgrundlage vieler Fischer wegnimmt und der Umwelt einen katastrophalen Schaden zufügt, kann mir niemand einreden, dass es nicht Zeit für eine neue Energiequelle ist. Eine neue Energiepolitik ist die einzig richtige Lösung um unseren Lebensstandard aufrechtzuerhalten und die Umwelt nicht weiterhin zu beschädigen. Eine direkte Anwendung einer ordentlichen Arbeitsmarktpolitik würde in der Infrastrukturpolitik liegen, in der die Straßen und Brücken saniert werden, die öffentlichen Verkehrsmittel ausgebaut werden und ein nationaler Hochgeschwindigkeitszug gebaut wird. Das wird sehr viel Geld in Anspruch nehmen, aber die Menschen und Geschäfte werden das sehr wertschätzen, wenn sie die verbesserten Transporteffekte realisieren.

 

Eine vierte fundamentale Reform liegt innerhalb des Gesundheitswesens, das die schlimmsten Elemente der öffentlichen und privaten Wirtschaft vereinigt, und die Resourcen der Vereinigten Staaten erschöpfen. Die USA gibt etwa 17% seines BIP für das Gesundheitswesen aus, welches mehr als jede andere Nation ist. Das heißt aber nicht, dass die Qualität jenes Gesundheitswesens besser ist. Mehr als 45 Millionen Amerikaner haben überhaupt keine Krankenversicherung und mehr als 20 Millionen haben nur geringfügige und begrenzte Krankenversicherung. Das private Krankenversicherungswesen ist extrem erbarmungslos, weil es in manchen Regionen des Landes sehr wenig Wettbewerb gibt. Das bedeutet, dass die Versicherungen exorbitante Prämien von den Patienten abknöpfen können, ohne irgendwelche Verluste an Patienten zu erleiden. Außerdem kann das private Versicherungssystem Menschen für medizinische Gründe ausschließen, und damit den Patienten leiden lassen. Im Unterschied zu einem öffentlichen Krankenversicherungssystem ist das private System auch extrem teuer zu erhalten, weil es mehr administrative Kosten gibt. Das öffentliche Krankenversicherungssystem ist viel effizienter, aber es rennt ebenfalls in eine gefährliche Sackgasse. Ich habe bereits von Staaten gehört, die Medicaid Leistungen reduzieren möchten, weil sie sich über Budgetprobleme beklagen. Medicare, der Versicherungsträger für alle Senioren, hat auch zahlreiche Probleme. Unter anderem gibt es sehr viel Betrug, in dem ein paar falsche Ärzte exorbitante Behandlungskosten an den Steuerzahler abwälzen. Gleichzeitig haben es gewisse Senioren extrem schwer sich Medikamente zu leisten, obwohl im Jahre 2003 eine Medikamentenbegünstigung für Medicare-Empfänger vom Kongress verabschiedet wurde. Diese Medikamentenbegünstigung war eine extrem kostspielige Angelegenheit, weil Medicare unter der Kraft des Gesetzes untersagt wurde mit der Pharmaindustrie um niedrigere Preise zu verhandeln, währenddessen es Medicare nicht erlaubt war billigere Medikamente von Kanada importieren zu lassen. Das ist eine Verzerrung der freien Marktwirtschaft, wobei es den Konzernen nie so wirklich wichtig war, dass diese sehr wenig, wenn überhaupt, frei ist. Die Ärzte tragen auch gewisse Mitschuld an der Krankenversicherungskrise, weil viele Ärzte als Spezialisten unglaublich hohe Kosten von Medicare (öffentlich) und den privaten Versicherern einfordern. Die Ärzte versuchen allerdings auch nur ihren eigenen Hintern zu retten, weil sie gewaltige Kunstfehler-Versicherungsprämiem zahlen müssen, weil eine Falschbehandlung ihnen hunderttausende von Dollern kosten könnte. Der Arzt hat also sämtliche Anreize so viele Tests wie möglich an die Patienten auszuteilen, welches allgemein die Versicherungskosten in die Höhe schießen lässt. Der individuelle Patient im vollen Vertrauen in den Arzt wird diese Extra-Untersuchung nicht verneinen, weil er nicht die vollen Kosten dafür trägt. Die Kosten werden indirekt für alle sichtbar, in dem die monatlichen Prämien massiv erhöht werden. Blue Cross and Blue Shields hat angekündigt die Versicherungspremien in Kalifornia um 39% anzuheben. Ein weiterer Grund für die eskalierenden Kosten für Krankenversicherung liegt beim Patienten selbst, der extrem ungesund lebt, weil die Anreize in der falschen Richtung liegen. Kelloggs, McDonalds, KFC und andere Firmen geben jährlich Millionen von Dollar aus um Kinder davon zu überzeugen, dass ihre fettmachenden Produkte ein Muss sind. Diese derart blinde Konsumerkultur in diesem Land ist Bestand eines anderen Themas, das die Massen kontrolliert werden, anstatt für sich selbst ein vernünftiges Leben zu bestimmen.

Krankenversicherung ist ein eskalierendes Dilemma. Die Lösung für dieses Problem liegt in der Effizienzsteigerung des Krankenversicherungssystem. Es kann mir hierbei niemand einreden, dass ein vollkommen regierungsfinanziertes Gesundheitswesen von Nachteil ist. Amerikaner sind extrem stolz auf ihr privates Krankenversicherungswesen und sprechen von Sozialismus (Sozialschmarotzer), sobald die Idee einer universalen Krankenversicherung aufkommt. Statistiken zeigen aber auch, dass die Amerikaner mit dem vorhandenen System aufgrund der massiven Kosten unzufrieden sind. Es wird hierbei also naheliegen, dass wenn andere reichen Länder mit pro Kopf niedrigeren Gesundheitskosten und kompletter öffentlichen Verischerungssysteme besser dastehen als Amerika mit seinen pro Kopf hohen Gesundheitsausgaben und schlechterem allgemeinen Gesundheitszustand. Die Gesundheit der reichen Leute und gewisse Mittelschichtamerikaner mit starken Gewerkschaften und großzügiger Krankenversicherung wird hierbei niemals zumindest kurzfristig in Frage gestellt. Allerdings dürfte die Erosion der Gewerkschaften und damit die geschwächte Position der Mittelschicht, die es immer schwerer hat Krankenversicherung mit dem Arbeitgeber auszuhandeln, den Druck auf universale Krankenversicherung vergrößern, dem Präsident Obama einigermaßen beigekommen war. Die 2010 verabschiedete Gesundheitsreform dürfte die Anzahl der Nicht-Versicherten verkleinern, und eine Kostenreduktion wird vorhergesagt. Es kann aber ernsthaft in Frage gestellt werden, ob eine Gesundheitsreform, die das private Versicherungssystem und die Pharmaindustrie am Leben erhält, wirklich von dauerhafter Wirkung sein kann. Obwohl viele Mehrkosten für die Aufnahme Neu-Versicherter von gezielten Steuererleichterungen für Kleinunternehmer (die eine besonders hohe Anzahl an Unversicherten aufzuweisen hatten) und individuelle Personen erleichtert wird, gibt es keine Garantie, dass Versicherungsträger aufgrund des steigenden Bedarfs schlicht nicht die Gesundheitsprämien für alle erhöhen. Es muss das Verständnis herkommen, dass Krankenversicherung kein einfach aufzugebender Luxus ist, sondern ein Grundpfeiler jedes Lebens ist. Die Amerikaner verdienen ein gerechteres Gesundheitswesen. Ich halte es auch für sinnvoll Präventivmedizin finanziell attraktiver zu machen, in dem die massiven Verisicherungs- und Ärzteprofite durch ein flacheres Einkommensschema für Behandlungen reguliert werden. Beispiel dafür kann man am Mayo System in Minnesota nehmen.

 

Fünftens ist die Reform des Bildungssystems unabdingbar. Zu einer Zeit, wo die globale weltwirtschaft immer größere Herausforderungen an die Amerikaner stellt und wo weniger körperliche Arbeit, sondern die Erlangung und Verwendung von Wissen, im Mittelpunkt steht, ist es enorm wichtig ein hervorragendes Bildungssystem auf die Beine zu stellen. Die aufrechten, frühen Versuche von Horace Mann ein gutes öffentliches Bildungssystem aufzustellen demonstriert, dass Amerika extrem geschickt sein kann solch ein allgemeines Ziel wie die verbesserung des Bildunsniveaus zu erreichen. Wir sind jedoch meilenweit entfernt solch ein Ziel zu erreichen, weil die Bildungsdisparitäten direkt mit der finanziellen Verteilung der Bildungsausgaben in Zusammenhang steht. Was von vielen Politikern nicht wirklich gerne erwähnt wird ist in Kreisen der Soziologen ein sehr bekanntes und oft diskutiertes Thema. Jonathan Kozol sprach von der ungleich verteilten finanziellen Ausgangslage der Schulbezirke, die die Qualität der Bildung für die Schüler antizipiert. Das Problem mit der Bildung ist, dass das Ziel der Erreichung und Verwendung von Wissen, und sekundär, der Ermächtigung des durchschnittlichen Bürgers, nicht zufriedenstellend erreicht werden kann, und dass das Bildungssystem eher die sozio-ökonomische Ausgangslage der ärmsten Bevölkerungsschicht verschlechtert oder perpetuiert. Das Bildungssystem sollte aber nicht den sozio-ökomomischen Hintergrund der Eltern bestätigen, sondern jenen Hintergrund für die Kinder anders bestimmen. Während Arbeit die soziale Position des Arbeiters aufrechterhält, kann die Bildung, die in der Freizeit abgeleistet wird (das Wort Schule kommt vom lateinischen Wort Freizeit), die Befreiung des geistigen Zustandes zustandebringen, und gleichzeitig die Anerkennung an den Absolventen konferieren, die für die Verbesserung des sozio-öknomischen Position aufgewendet wird.

Nun da die Funktion der Bildung definiert wurde, scheint es angebracht zu sein weiterhin zu erläutern warum das amerikanische Bildungssystem eher daran interessiert ist die soziale Position der Eltern zu reflektieren anstatt die vollen Möglichkeiten für alle Kinder auszuschöpfen. Man nehme eine reiche Familie und eine arme Familie, die in vollkommen verschiedenen Stadteilen aufzufinden sind (in den USA lautet der Regelfall, dass je weiter man von der Stadt entfernt lebt, desto reicher ist man; einfachheitshalber verwende ich das Beispiel für eine Stadt). Die reiche Familie wird wahrscheinlich genug Resourcen zur Verfügung haben um sich ein teures Haus zu in der Vorstadt zu kaufen. Das hat nicht nur Komfortabilitätsgründe (niedrigere Kriminalitätsrate, weniger Minderheiten etc.), sondern ist auch eine Investition in die nächste Generation. Was das bedeutet? Weil die Schulbezirke von den lokalen Grundsteuern finanziert werden, bedeutet es, dass Schulbezirke mit teuren Grundstücken viel mehr Geld für Textbücher, Schulgebäude und Lehrer aufwenden kann als ein Schulbezirk mit billigen Grundsteuern, weil sich die Bewohner nichts besseres leisten können. Das soll heißen, dass wenn die reichen Eltern, die sich die teuren Grundsteuern leisten können, sich entscheiden ihre Kinder in eine öffentliche Schule nahebei zu stecken, dass sie eine vermutlich bessere Schule auffinden. Die extrem reichen Eltern werden sich überhaupt den Luxus leisten ihr Kind in eine Privatschule zu stecken und die lokalen Grundsteuern zu bezahlen, um die weniger begüteten Schüler, die im gleichen Schulbezirk wohnen zu subventionieren (was praktisch die einzige Subvention darstellt). Bessere Schulen heißt bessere Bildungschancen, was einen besseren Beruf bedeutet, der ordentlich bezahlt, was es wiederum den jungen Erwachsenen ermöglicht in ein teures haus zu investieren, um die nächste Generation zu begünstigen. Bei der armen Familie ist es genau umgekehrt. Der Mangel an finanziellen Resourcen macht es den armen Eltern (meistens Alleinerzieherinnen, was den finanziellen Hintergrund der Familien weiterhin verschlechtert) unmöglich ein besseres Wohngebiet mit angemessenen Schulen aufzusuchen. Viele arme Familien können sich nicht einmal ein Haus leisten und leben in einer Mietwohnung. Diese monatliche Miete verschlingt vermutlich so gut wie die Hälfte des Einkommens einer armen Familie und gemischt mit anderen wichtigen Lebenskosten, wie Stromrechnungen, Essen oder Transportkosten bedeutet dies, dass arme Familien kaum Möglichkeiten haben sich Geld anzusparen. Es bestätigt den Grundsatz, dass man Geld braucht um mehr Geld zu machen. Wenn die Eltern also bereits in der Armutsfalle stecken bleibt die Hoffnung zumindest bei den Kindern, dass sie sich zumindest ihre soziale Position aufbessern können, in dem sie hart arbeiteten und gute Schulen besuchen, aber dieser Idee wird ein Strich durch die Rechnung gemacht, weil die prekären Schulen mit fürchterlichen Lehrern und niedrigen Bildungsstandards die Schüler nicht adäquat lehren und für die Berufswelt vorbereiten kann. Die Dropout- Rate ist hoch und die Chancen für eine Universitätsbildung ist fast inexistent. Die Armutsfalle schnappt zu.

Hierbei ist es schwierig als individuelle reiche Familie irgendwas an dieser strukturellen Krise etwas zu verändern. Es wird Leute geben, die versuchen vorzuschlagen, dass ein paar reiche Eltern sich wenigstens aussuchen könnten im Heimatbezirk zu bleiben und halt größere Grundsteuern zahlen. Aber wer möchte schon in einem teuren Grundstück leben, wenn alle Nachbarn in niedrigbewerteten Grundstücken leben? Die reichen Leute werden schon ihre Begründung auffinden nur ja nicht mit den armen Leuten in Verbindung zu stehen, weil diese die Verschlechterung der Bildungschancen repräsentieren, obwohl es unverantwortlich ist die Schuld für die Armut alleine an die armen Menschen abzuwälzen. Aber ich zeige hiermit nur die Empfindungen der reichen Leute auf, wobei es auch gewisse liberale Reiche gibt.

Wovon ich rede ist eine allgemeine Reform des Bildungssystems, in dem die Finanzierung für die Bildung Staatsangelegenheit wird. Die Bundesstaaten sollen mehr Verantwortung für eine gerechtere Finanzierung der Bildung übernehmen, und die Bundesregierung kann Disparitäten zwischen den Bundesstaaten durch Bundesförderungen ausgleichen.

Ich verstehe allerdings, dass eine fairere Finanzierung des Bildungssystems kein Allheilmittel darstellen kann. Die Einführung von höheren Lehrerstandards und die Abschaffung von No-child-left-behind können ebenfalls zu besseren Bildungsstandards führen. Während der erste vorschlag vernünftig erscheint (wer möchte nicht bessere Lehrer haben?), dürfte der zweite Vorschlag kategorische Ablehnung hervorrufen, was ich sehr gut verstehen kann. Seit dieses Bildungsgesetz eingeführt wurde, mussten alle öffentlichen Schulen einen staatlich individuell festgesetzten Bildungsstandard via Tests erreichen. Anstatt die Bildungsqualität der fürchterlichen Schulen zu verbessern, hat diese Bildungsreform die Ungleichheiten der Schulen vergrößert. Ich gebe zu, dass dieses No-child-left-behind Gesetz (wie der Name bereits andeutet) eine noble Absicht hat, aber in der Realität umgesetzt hat es dramatisch negative Auswirkungen. Während sich früher niemand um Bildungsstandards geschert hat, wird dem heute mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Aber die Tests haben massiv dazu beigetragen, dass vor allem die schlechten Schulen immer mehr Zeit für die Benützung oberflächlicher Informationen aufwenden, während immer weniger für anderes Unterrichtsmaterial wie Natur- oder Geisteswissenschaften (die zum geistigen Wachstum der Schüler beiträgt) übrig bleibt. Die guten Schulen werden nicht viel verändern müssen, um ihren Bildungsstandard weiter aufzupolieren, und sie werden als “Belohnung für ihre Fleißarbeit” mit mehr Bundesgeldern ausgestattet. Die schlechten Schulen mit den bereits schlechten Schülern können unmöglich von einem Jahr auf das nächste, wo diese Bildungstests bereits eingeführt wurden, ihre Leistungen immens verbessern um “jährlichen Fortschritt” zu erzielen. Das hat die Wirkung, dass die in Bewegung gesetzten Lehrer frustriert werden, und dass die Superintendenten der anstrengenden Bezirke hunderte von verschiedenen Notlösungen verabschieden, um den Bildungsstandard nun doch anzuheben, wie zum Beispiel strengere Disziplin oder mehr Schultage (von beidem kann ich wenig abgewinnen). Die komplette Reform von No-child-left-behind wird vorgeschlagen, aber für mich bleibt es mehr als vage, was solch eine Reform bedeuten soll. Ich kann auch die Kritiker meiner Position sehr gut verstehen, denn die komplette Abschaffung von Tests hat die reale Gefahr die schlechten Schulen wieder in einen zustand der Gemächlichkeit zu bewegen, was sämtliche Chancen auf eine Verbesserung der Bildungschancen aus dem Fenster wirft.

Ich kritisiere hier lediglich den unannehmbaren Zustand eines fürchterlichen Bildungssystems mit dem ich bereits einigermaßen vertraut bin.

Das Bildungssystem umfasst nicht nur die primäre und sekundäre Schulstufe, sondern auch die postsekundäre Ausbildung, die in Universitätsbildung, Lehre und andere Bereiche aufgeteilt ist. Obwohl die USA eine der besten Universitäten der Welt hat ist es zunehmend schwieriger für Durchschnittsbürger sich eine angemessene Collegeausbildung zu leisten. Selbst wenn man die ersten beiden Bildungsstufen abgefertigt hat (mit extrem schlechtem akademischen Hintergrund), muss man einen finanzierbaren Weg in die Universitätsausbildung finden, der die einzig sichere Möglichkeit ist sich ein halbwegs angenehmes Leben zu finanzieren (ich möchte jetzt nicht noch einmal die Auswirkungen von Armut erläutern). Als die ersten colleges in den USA gegründet wurden, dienten diese Bildungsinstitutionen den Klerikern und den reichen Leuten, die sich so eine Ausbildung wenigstens finanzieren konnten. Die armen Leute- mit wenigen Ausnahmen- konnten sich solch eine Universitätsausbildung nicht leisten und waren mit geringem Bildungshintergrund von vornherein benachteiligt. Eine reale Veränderung in Sachen Zugang zu Bildung kam erst zu Ende des zweiten Weltkrieges, als die rückkehrenden Soldaten für ihren harten Kampf mit einer von der Regierung finanzierten Collegebildung belohnt wurden. Während die Legitimation von Programmen der Bundesregierung wie der New Deal in den 1930er Jahren noch angezweifelt wurde, hat die große Depression und die Anforderungen des Zweiten Weltkrieges die Sicht der Amerikaner massiv verwandelt, was in der aktuellen politischen Debatte aufgrund der konservativen Meinungsmacht nicht so offensichtlich erscheint. Nun soll also die Regierung für das Wohl der Bevölkerung sorgen, in dem jene Regierung Steuergelder hernahm um diese zurück an die Bevölkerung zu verteilen. Der GI Bill hat die ideale Möglichkeit dafür geschaffen, weil die gefeierten Kriegshelden für ihre Tortur eine begünstigte Behandlung verdienten, während die gesunde alleinerziehende Mutter besser arbeiten gehen sollte, anstatt als Sozialschmarotzerin die Steuerzahler auszumelken (so die allgemeine Weisheit). Ein Studiengebührennachlass für Veteranen war aber nicht nur eine Wohltätigkeitsaktion, die mehr der Beruhigung der Seele des Spenders, als dem Wohlhaben des Spendenerhalters dient. Es war der Beginn eines gewaltigen wirtschaftlichen Wachstums, der durch eine wachsende Schicht von gebildeten Amerikanern getragen wurde. Zugegeben, es war die komplette vernichtung der euroäischen Wirtschaft, der einzig anderen wahrzunehmenden Wirtschaftsmacht neben Amerika, die die Stärke des Alleinproduzenten Amerika ausgemacht hat, aber die Wirkung einer gebildeten Gesellschaft darf niemals unterschätzt werden. Es war überhaupt nicht verwunderlich, dass die verbesserte Bildung der Allgemeinbevölkerung (relativ gesprochen, denn in absoluten Zahlen sind wir immer noch weit von allgemeiner Bildung entfernt) so populär war in der wachsenden Mittelschicht (die gewaltig vom GI Bill profitiert hatte), sodass die permanente Aufrechterhaltung dieser aktiven Bildungspolitik eingefordert wurde. Das war politisch und ökonomisch noch machbar, als Kennedy und Johnson Präsidenten waren. Johnson war so extrem großzügig mit öffentlichen Ausgaben, dass er nicht nur einen Kampf gegen die Armut Kampagne, eine Einführung eines öffentlichen Krankenversicherungssystems, und eine erhöhte Studienerleichterung für arme Familien (!!!) durch den Kongress peitschen konnte, sondern auch einen Krieg in Vietnam finanzieren konnte. Die Konservativen haben schon immer diese liberale Politik gehasst, aber sie hatten keine Möglichkeit Lyndon Johnson’s Great Society Programm zu unterminieren, weil sie so beliebt und großteils so effektiv waren und solange diese Programme zu finanzieren waren. Vietnam, der Ölschock, Stagflation und wachsende Einkommensunterschiede haben jegliche Hoffnung auf eine liberale Politik dermaßen zerstört, dass kein ernstzunehmender Politiker in Amerika als Liberaler bezeichnet werden möchte. Was beduetet das nun für collegestudenten? Eine massive Verschlechterung. In den vergangen Jahrzehnten ist die Nachfrage nach Bildung massiv angestiegen und die Studiengebühren steigen jährlich 3-4 mal so schnell an wie die Inflation. Mittelschichtkinder haben es nun also schwerer als ihre Eltern sich eine Collegeausbildung zu finanzieren. Hierbei soll aber gesagt sein, dass für praktisch niemanden eine Collegeausbildung unfinanzierbar ist. Wenn die Colleges also ihre finanzielle Unterstützung kürzen müssen und die Bundesregierung nicht proportional zum Preisanstieg Förderungen austeilt, müssen die Eltern entweder tiefer in die Tasche greifen, oder (was viel häufiger ist) die Studenten müssen Studienkredite aufnehmen. Die öffentlichen Studeinkredite haben einen angemessen Zinssatz, aber haben ein maximales Limit. Der Rest muss von privaten Studienkrediten getragen werden, meistens von Banken und Kreditunternehmen, die extrem hohe Zinssätze (12-14%) abverlangen. Wenn es der Regierung wert gewesen wäre, die Studenten in härteren Zeiten (schlechtere Krankenversicherungsversorgung, niedrigere Löhne etc.) auszuhelfen, hätten sie die öffentliche Unterstützung für eine Collegeausbildung erhöhen können, oder zumindest öffentliche Studienkredite zu günstigen Konditionen auszuweiten. Aber seitdem Ronald Reagan an die Macht gekommen ist, um die Regierung in all ihren Handlungen einzudämmen (mit Ausnahme des destruktiven Militärs und den Zinsen für die sich ansammelnden öffentlichen Staatsverschuldung), wurde finanzielle College-Unterstützung erniedrigt und die privaten Stuidenkredite ausgeweitet. Wenn es das einzige Ziel ist die Regierung zu verkleinern, dann hat Reagan und die konservative Junta genau das Richtige getan. Wenn es aber unser aller Ziel sein sollte die Möglichkeiten für Bildung an so viele Menschen wie möglich auszuweiten, was bedeuten würde, dass College eine finanziell angenehmere Option für den Durchschnittsamerikaner darstellen sollte, dann hat die Reagan Regierung alles falsch gemacht.

 

Die einseitige Verschlechterung des öffentlichen Bildungssystems und die mehr und mehr unfinanzierbare Collegebildung verschlechtert Amerika’s politische und wirtschaftliche Position. Gleichzeitig hat es immer schon einen hohen Bedarf an ausländischen Studenten gegeben, wobei immer die besten Köpfe ins Land gelassen werden. Für manche Inder und Chinesen (wo die meisten klugen Köpfe herkommen) bedeutet dieser Studienaufenthalt entweder, dass sie eine Green card in den USA erhalten und das Land für den Rest ihres Lebens unterstützen können, für manch andere, die vom Immigrieren ausgeschlossen sind, bedeutet es, dass sie nach Kanada ausweichen oder wieder in ihr Heimatland zurückkehren (was einem wirtschaftlichen Verlust gleichkommt). Diese untragbare Situation wirft die Frage der Einwanderungspolitik auf. Es besteht überhaupt kein Zweifel, dass Immigration so anhaftend wichtig ist. Das Land wurde von Einwanderern dominiert ob wir jetzt von der asiatischen Einwanderung der Indianer sprechen, der europäischen, afrikanischen oder moderner asiatischer Einwanderung sprechen. Amerika ist im vergleich ein sehr junges Kontinent, das von Pionieren dominiert wurde. Nun, was bedeutet das für die moderne Einwanderungspolitik? Es würde bedeuten, dass wir Einwanderung nicht ablehnen, sondern als integralen Bestandteil unserer gegenwärtigen Politik zur Kenntnis nehmen. Damit ist nicht gemeint, dass alle Ausländer mit aller Einfachheit hereinspazieren können. Ich habe keine Probleme damit die Grenzbewachung zu verstärken, solange die Einwanderungskriterien nicht unvernünftig ausarten. Ein viel akuteres Problem stellen die illegalen Immigranten dar, die durch ihren undokumentierten Status in ständiger Angst leben müssen gefunden und abgeschoben zu werden. Das ist aber nicht die einzige Angst unter der sie leben müssen. Als Arbeiter verdienen sie einen niedrigen Lohn, weil ein dokumentierter Status ihnen zumindest einen Mindestlohn garantieren würde, welches aber die legale Hintergrunduntersuchung voraussetzt. Außerdem bekommen illegale Studenten keine finanzielle Collegeunterstützung, oder eine Krankenversicherung. Die privaten Konzerninteressen scheinen außerdem illegale Immigranten zu tolerieren, weil sie billigere Produkte garantieren. Die Wirtschaft ist allgemein von illegalen Immigranten abhängig, aber dieser Zustand kann durch eine Legalisierung geändert werden. Illegale Immigration ist ein politisches Problem, das eine politische Lösung im Interesse der Betroffenen anfordert. Der Kongress hat einen Weg zur Staatsbürgerschaft vorgeschlagen, in der die illegalen Immigranten eine Hintergrunduntersuchung der Regierung erlauben und vorweisen keine andere Straftaten mit Ausnahme der illegalen Einwanderung begangen zu haben, eine Gebühr bezahlen, Steuern bezahlen, Englisch- und Politikkurse besuchen und einen Test absolvieren. Das schulden wir den Immigranten, die sich ein besseres Leben in diesem Land erhoffen.

 

Damit soll aber nicht dem Pessimismus alleine gedient werden, denn solch ein Gedankengang, auch wenn er realistisch im Prinzip ist, führt nicht zur positiven politischen Veränderung, die wir alle gemeinsam erreichen wollen. Auf der positiven Seite sehe ich das ernsthafte Interesse und die Besorgnis, die die Menschen haben, wenn es um BP’s kriminelle Vernachlässigung geht, oder wenn das US-Durchschnittseinkommen immer geringer wird, weil es eine kleine Schicht von extrem gutbezahlten Menschen (Anwälte, Ärzte, Steuerberater und Geschäftsleute) und eine wachsende Schicht von niedrigbezahlten Menschen (Hauswart, Verkäufer, Reinigungsdienst etc.) gibt. Mit der richtigen Initiative wird solch ein unakzeptabler Kurs langfristig umgedreht. Es verlangt die volle Arbeitsbereitschaft der Amerikaner. Es soll nicht nur eine Bestätigung der vitalen Demokratie sein, sondern auch die wahren Interessen der Amerikaner in die Tat verwandelt sehen.

 

Advertisements
This entry was posted in Gesellschaft. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s