Ein Spaziergang am Nationalfeiertag

Der Nationalfeiertag in Österreich. Für viele hat er keine Bedeutung. Für andere ist das der Tag des Jahres. Alle Patrioten müssen doch zum Heldenplatz und das Militär, das österreichische Bundesheer anschauen. Ich zähle mich dazu. Das kann man aber nur behaupten, sofern der Besuch des Heldenplazes als einzige Vorraussetzung zum Patrioten qualifiziert. Für mich war es ein Pflichttermin. Einmal im Jahr trotz pazifistischer Grundeinstellung die Ursache (wenn auch nicht Hauptursache) für zahlreiche blutige Kriege zu sehen: Panzer, Haubitze, Hubschrauber, (Papp-)Eurofighter, ein paar Soldaten die spazieren, viele Zelte die Informationsbroschüren verteilen. Ja, die Österreicher und ihr Bundesheer. Was für eine gespaltene Beziehung. Einerseits lese ich, das 500 000 Menschen den heldenplatz am 26. Oktober besucht haben. Andererseits schimpft man täglich über das Bundesheer: teurer Militarismus, wir brauchen kein Militär, wir sind eh ein neutrales Land. Und dann wenn man das Bundesheer ansatzweise lobt, in dem Soldaten nämlich ein Mandat im Ausland haben, dann entlarvt sich da doch ein ironischer Nebenklang: der Auslandseinsatz liefere die einzige Rechtfertigung für die ursprüngliche Steuerzahlerverschwendung. Eine Schizophrenie also. Ich sehe begeisterte Kinder und Erwachsene, die in die Panzer klettern und aus der Luke herausschauend die Waffe angreifen. Ich könnte mich ebenso fundamental irren. Es sind ja eben "nur" 500 000 Menschen. 8,3 Millionen Menschen leben in Österreich, also war nicht einmal ein-sechzehntel der Bevölkerung am Heldenplatz. Aber immer noch ist das eine beträchtliche Zahl. Eine Tatsache also. Ich persönlich bin ein Beispiel für diese Widersprüchlichkeit: einerseits bin ich der Pazifist, andererseits beschäftige ich mich auch mit dem Militär, mit Daten, Fakten, mit Einsätzen der mächtigsten Militärs der Welt, ich konstruiere einen Krieg zwischen zwei fiktiven Staaten, ich zeichne Kriegskarten. Das mag noch die eine Ebene sein. Meine männlichen gleichaltrigen Genossen reden von CSS, Counter Strike Source, oder von Call of Duty, Battlefield und alle anderen derartigen Spiele, die ich nur einmal im Jahr spiele. Erstaunlich, nicht wahr?
Wenn in Friedenszeiten nichts am Herd ist, dann will man kein Militär. Ja, es ist sogar gefährlich, wie einige hochgerüstete Staaten im Nahen und Mittleren Osten beweisen. Sogar das österreichische Bundesheer widmet sich diesem Thema und ich gebe zu mich ehrlich dafür zu interessieren, wie stark das syrische, iranische, israelische oder ägyptische Militär ist. Wenn Krieg herrscht, dann wünscht man sich das Gegenteil. Dann will man ein starkes Heer.
Nachdem ich einen Langos verzehrt habe, widmete ich mich dem nahe gelegenen Bundeskanzleramt. Nein, ich habe den Bundeskanzler nicht gesehen, aber zumindest sein Büro. Imposante Bilder, viele Bücher, ein Laptop am Schreibtisch. Ja, das ist ein guter Tag der offenen Tür.
Das Parlament, wie jedes Jahr gut besucht, ist ebenfalls Pflichttermin. Es störte mich dabei überhaupt nicht, dass dabei so dicht gedrängelt wurde, dass solange gewartet werden musste. Es gab nichts neues zu beobachten: Reichsratssaal, Nationalrats- und Bundesratsplenarsaal. Darin arbeiten die Volksvertreter. Jedes Jahr eine neue gute Erfahrung!
Was verbleibt ist der Gedanke, dass das nächste Jahr und der nächste Nationalfeiertag etwas interessantes sein wird. Ich habe zahlreiche militärische Zeitschriften und freue mich sie nacheinander durchzulesen. Die Ferien liefern die perfekte Gelegenheit dafür. Wie kann also Entspannung erreicht werden? Durch das Lesen von Büchern/Zeitschriften und durch entspannenden langen Schlaf. Das ist meine Ferienintention.
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