US-Doppelmoral

Mein unrühmlicher Namensvetter US-Senator Larry Craig wurde von der Polizei verhaftet und einvernommen, weil er einen Polizisten zum Sex überreden wollte. Er zahlte Strafe, gestand und in der Öffentlichkeit bestreitet er. Ein Rücktritt wäre nahe liegend (1., 2.) . Nicht nur Sexaffären spielen bei den Spitzenpolitikern eine Rolle. Eine ganze Reihe von Korruptionsskandalen trägt sich zwischen Senatoren, Abgeordneten, Administrationsmitarbeiter und geldgierigen Lobbyisten. Die Abramoff-Affäre mit all ihren Hintergründen kann hier nachgelesen werden (3.) . Warum sind das ausgerechnet US-Republikaner, die in diesem Zusammenhang stark in Erwähnung kommen? Zunächst einmal reicht die Geschichte von Sex- und Korruptionsskandalen jahrelang zurück. Damals hatten die Republikaner in beiden Kongresskammern eine satte Mehrheit gehabt. Lobbyisten waren in der USA schon immer außergewöhnlich stark. Außerdem spielt Geld bei Wahlkämpfen und Förderungen stets eine große Rolle bei den führenden Politikern. Während dieser Bestechungsvorgang das Abstimmungsverhältnis der Abgeordneten und Senatoren beeinflusst, geht es der Wirtschaft auch viel besser. Man kann solange skrupellos sein, bis die Affäre aufgedeckt wird. Dann funktioniert das US-Selbstreinigungssystem rund um Gericht und parlamentarischen Untersuchungsausschuss, wenn auch viel zu spät.
Anders verhält es sich mit Sexskandalen. Da geht es schlicht um das Verlangen eines Menschen, egal mit welcher öffentlichen Denkauffassung. Das heißt ein homosexueller US-Senator, der gegen Homosexuelle hetzt oder ein pädophiler (evangelikaler) US-Abgeordneter, der Kinderschänder anprangert, dürften letztlich nicht verwundern. Was die Sache so interessant macht, ist weniger ihre Begierde, sondern mehr die Doppelmoral mit der sie an den Tag treten. Warum ist das so? In den USA gibt es eine starke christliche Lobby. Anders als in Europa wird in den USA Religion und dementsprechend Werte wie Nächstenliebe, Schutz von Ehe und Familie hochgehalten. Diese christlichen Gemeinden darf man nicht unterschätzen. Es gibt 30 Millionen Wähler von denen und gerade in ländlichen Gegenden sind sie proportional gesehen stark vertreten. Sie entscheiden also Wahlen. Deswegen- sofern der Politiker daran interessiert ist die Wahlen zu gewinnen- wird der Kandidat daran interessiert sein, um diese Wähler zu buhlen, ihre Interessen öffentlich zu artikulieren und zu vertreten, ebenso die Abgeordneten, die privat daran beteiligt sind. Und dann kommt noch etwas dazu: die amerikanische Öffentlichkeit ist sehr daran interessiert, wie das Privatleben der Politiker aussieht, ähnlich wie bei uns der Boulevard an Kdolskys Partner interessiert sind. Man kann die Begierde der Doppelmoralisten einige Zeit geheim halten, doch irgendwann platzt die Bombe und ein Rücktritt muss erfolgen, auch hier funktioniert das Selbstreinigungssystem. Schlussfolgernd betrachtet ist die USA Opfer ihrer eigenen Überzeugungen. Die Politiker sind öffentlich betrachtet nur die groteske Spitze dieser Skandale.
Soll man nun dagegn etwas machen? Eigentlich schon. Korruptionszahlungen muss man transparenter machen, Spitzenpolitiker müssen auf Herz und Niere überprüft werden. Aber das ist auch utopisch. Man kann sie ja keinesfalls video überwachen. Deswegen wird an geduldig sein müssen, bis sie aufgedeckt werden.
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