Entgleisungen

Das gestrige Sommergespräch war offensichtlich auf einen Krieg zwischen der Österreich.Zeitung und dem FPÖ-Chef Strache reduziert. Man mag gespaltener Meinung sein, aber ich bin der Meinung, dass Fellner hier viel besser argumentiert hat. Da kann er die Klage wohl locker schlucken, geht es hier doch darum die Vergangenheit eines Vorsitzenden einer demokratischen Partei zu durchleuchten. Wer will schon einen Politiker wählen, der unter Umständen mit "brauner Soße" befleckt ist, wie das Strache selber beschreibt? Dass man damit rechnen müsse, war klar, hatte Justizministerin Berger in einem Österreich-Interview vorsichtig gesagt. Die Verzweiflungsabsicht unterstreicht sich durch die Rundumschläge des Strache. Das macht er wohl öfters wenn er unter Druck kommt. Interessant ist ja nur, dass ausgerechnet er unter dem Verdacht stehe, wie das der scheinbar hilflose Oberhauser festgestellt hatte. Wenn er unter scharfem Beschuss besteht, dann argumentiert er nicht mehr, sondern gerät in Rage. Außerdem fängt er an mit Klagen vor Gericht zu punkten, erinnert stark an BZÖ und Westenthaler, also wie immer…die rechten Parteien. Man kann im Wortlaut nachlesen, was ich damit meine (1.)
Natürlich steht fest, dass wenn Männer wütend werden, dass das überzeugend wirkt. Aber Fellner hat sich nicht ablenken lassen und hat investigativ gefragt. Das gehört sich so für einen Journalisten. Dass er bei Gelassenheit eher überzeugend war als das der FPÖ-Chef das jemals sein kann (egal wie ruhig er ist) steht für mich klar. Man darf sich das mit Medien nicht verscherzen, tut er aber regelmäßig. Es darf nunmal nicht die Vergangenheit eines Parteivorsitzenden einer 11 % Partei verschwiegen werden. Dass das dem Wähler egal ist, weil Österreich ohnehin auf dem Nazi-Erbe entstanden ist, ist weniger wichtig. Die junge Generation wird ja die Sache entsprechend quittieren.
Strache wird sich da nicht rausreden können und wird noch einige Erklärungen abgeben müssen, wenn er von einer Zeitung mit solchen Vorwürfen eingedeckt wird. Erklärung für Erklärung kann aber auch seine Beliebtheitswerte und Glaubwürdigkeit weiter drücken. Er distanziert sich vom Nationalsozialismus, gleichzeitig tauchen wieder Fotos mit seinem Gesicht auf. Wie soll das zusammen passen? Mit der Nachkriegsgeneration wird er sich nicht rausreden können. Immerhin kann man auch nach 1945 Gräuel verharmlosen.
Oberhauser reagierte während der ganzen Diskussion mit Unbehagen, weil bewusst falsche Ängste beruhend auf falschen tatsachen geschürt werden. Aber wie sollte man denn sonst reagieren? Beispiel EU-Verfassung. Austritt, heißt es da. Ängste werden geschürt. Bei der Konfrontation mit fremdenfeindlichem Credo, erwiderte der FPÖ-Chef mit der Differenzierung, genau wie Westenthaler. Dass die Wahlplakate wesentlich plakativer die Radikalität beweisen, scheint ihm nicht aufzufallen.
Öffentliche Inszenierung wurde gestern gesucht: nämlich mit der eidesstaatlichen erklärung darüber, dass die FPÖ niemals mit dem BZÖ zusammenkommen werden. Taktisch ist das natürlich nicht schlecht gewählt. Die Kärntner Regionalpartei hat bundesweit einfach keine Chancen. Weiters wäre ein Westenthaler und ein Haider als Gesicht dem Strache bei seinem politischen Aufstieg hinderlich. Jetzt ist er ja de facto der alleinige starke Mann in der Partei, die eindeutig vor dem BZÖ liegt.
Die Österreich-Zeitung hat ein seltsames Profil und arbeitet mit Fotomontagen. Trotzdem kann man diese Vorwürfe nicht einfach so aus den Haaren ziehen.
Man darf gespannt sein.
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Link über das Sommergespräch:
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