Einmischung der Monarchie/Belgiens Konflikt

In Belgien wurden die Verhandlungen vom Staatsoberhaupt Albert II ausgesetzt. Er will nun selber Verhandlungen führen, um einen nationalen Konsens zu finden. (1.) Daher muss ich an dieser Stelle die Grundsatzfrage stellen: Darf ein Monarch sich in die Politik einmischen? Ich als deklarierter Republikaner bin ja im Grunde dagegen, doch da scheint wohl eher viel mehr Abneigung dahinter zu stecken. In Belgien ist diese Maßnahme akzeptabel. Immerhin gilt es, dass wenn unüberbrückbare Differenzen zwischen den flämischen Politikern, die auf Autonomie pochen (weil sie ja reicher sind, verständlich), und den frankophonen Politikern, die diese zu verhindern erstrebt sind (ebenfalls logisch, ein Armenhaus ohne Subventionen ist nicht das Ziel), sich das Staatsoberhaupt einschalten muss, egal ob Monarch oder Staatspräsident. In den westlichen Staaten braucht man sich im Grunde nicht zu sorgen, dass die Monarchie wiedererstarken könnte. Offenbar ist es wohl interessanter Magazine und Klatschpresse mit Skandalen zu versorgen, damit die Damen aus dem Friseursalon etwas zu tratschen haben (um überspitzt zu formulieren). Das kann den Regierenden unter Umständen recht sein, solange dies von ihrer Unfähigkeit ablenkt.
In Europa spielt die Republik bei weiten Teilen Europas eine selbstverständlich natürliche Rolle, in Deutschland, Österreich und Italien hat man das als Verlierer des Ersten Weltkrieges etabliert, während die osteuropäischen Staaten von kommunistischen Volksdemokratien abgelöst wurden. Mit diesem Selbstverständnis kann man aber dennoch gut leben. Obwohl persönliche Freiheiten und Monarchie schon längst nicht mehr im Widerspruch stehen, mag man stets immer kritisch sein was Einmischungen von Königen betrifft. Diese können ja de facto nicht abgelöst werden.
In Belgien gibt es ohnehin größere Probleme über die man sich Gedanken machen müsste: Die Staatsreform solle zugunsten der Flamen umgesetzt werden. Es herrscht ja eine knappe flämmische Bevölkerungs-Mehrheit (2.) . Aber dem kann ich wiederum nciht zustimmen. Man sollte nicht diskriminierende Ressentiments unterstützen. Das wäre für den Staat Belgien doch kontraproduktiv und das scheint auch Albert II zu erkennen. Dass diese Tatsache von EU-Beamten beäugt wird, ist auch nicht gänzlich auszuschließen. Obwohl diese mit dem Prozess eigentlich nichts zu tun haben, fristen sie ihr Dasein im zweisprachigen Brüssel. Die Lösung wäre vorerst ein Kompromiss. Langfristig mahne ich als Sozialist die Einheit und die Solidarität ein. Die Wallonen dürfen aber auch nicht am Nuckeltopf auf flämische Kosten weiterleben. Ich übersehe aber auch nicht, dass die Konfliktstruktur stets komplexer ist. Nicht nur, dass sich die Wallonen wirtschaftlich durch ihre untergehende Montan- und Stahlindustrie benachteiligt fühlen, auch die Konfliktlinie Sprache existiert seit längerem. (3.) Belgien ist ein Paradigma für Uneinigkeit. Aber man kann hoffen, dass Verbesserungen getroffen werden.
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